Alles sitzt: Alternativen zur Stuhlreihe

PINA Kongress #5 2025

Meetings werden nicht nur durch Inhalte geprägt, sondern auch durch ihre Architektur. Durch die bewusste Gestaltung einer Veranstaltung wird maximale Wirkung erreicht. Dazu gehört auch die Sitzordnung. Wer diese nur in Reihen denkt, verschenkt Atmosphäre. Versteht man sie jedoch als Teil der psychologischen Raumwirkung, steuert man den Fokus, die Gesprächsdichte und die Energie im Raum.   

Eine gut durchdachte Bestuhlung fördert die Dynamik. Sie entscheidet, ob ein Raum sich nach Vortrag, Austausch oder Begegnung anfühlt. Reihen schaffen Reichweite, Halbkreise fördern Austausch, Stehtische beschleunigen die Kontaktaufnahme, Lounge-Settings entschleunigen. Jede Bestuhlungsform hat ihre Berechtigung. Wer in Reihen sitzt, hört meistens zu. Wer sich austauschen soll, braucht ein anderes Setting.

In einer Sammlergesellschaft bringt sich jede und jeder auf seine Art und Weise ein. Die Frage, die man sich stellen muss: Welche Strukturen muss ich schaffen, damit die Leute geben können?
Bettina Ludwig Kulturanthropologin
Netzwerken beim Vorarlberger Convention Forum 2019, carla Store Bludenz
Respekt-BIODYN Winzertage 2024
Ausklang beim Vorarlberger Convention Forum 2017 im Seefoyer im Festspielhaus Bregenz

Klassische Varianten neu denken

Die "beste Bestuhlung" gibt es nicht. Ein Workshop muss nicht automatisch an der Blocktafel stattfinden. Vielleicht entsteht echte Gesprächstiefe besser in einer Lounge. Der Empfang braucht nicht nur Stehtische im Foyer. Vielleicht schaffen kleine Sitzinseln Gelegenheit für längere Gespräche. Eine Diskussion muss nicht auf der Bühne passieren. Vielleicht macht ein Halbkreis im Publikum den Austausch lebendiger. 

Halbkreis

Verbindend, nahbar, einladend

Im Halbkreis werden aus Vorträgen Gespräche. Genau richtig, wenn viele mitdenken und mitreden sollen. Alle Teilnehmenden haben den Fokuspunkt im Blick und gleichzeitig entsteht mehr Offenheit als bei klassischen Stuhlreihen.  

  • Vorteile: Blickkontakt, offene Mitte, aktivierende Atmosphäre 
  • Nachteile: kaum für Laptop-Arbeit geeignet, in großen Gruppen schneller unruhig 
Stehtische

Locker, einfach, kommunikativ 

Mit Stehtischen kommt Bewegung in den Raum. Sie funktionieren wie kleine Inseln, wo Menschen stehen bleiben und ins Gespräch kommen. Stehtische sind ideal für Welcome-Settings, Networking-Zonen und Übergänge zwischen Programmpunkten.  

  •  Vorteile: gute Gesprächsdynamik, platzsparend und flexibel 
  • Nachteile: nur für kurze Programmpunkte geeignet, nicht für alle Gäste komfortabel
Lounge

Entspannt, verbindend, wertig 

Lounge-Bereiche verändern die Energie im Raum. Statt schnellem Austausch entstehen oft tiefere Gespräche. Sofas, Sessel und Beistelltische verlängern Begegnungen – ideal für persönliche Gespräche, eine einladende Raumwirkung und Wohlfühlatmosphäre. 

  •  Vorteile: einladend, gute Bildwirkung, hohe Wohlfühlatmosphäre 
  • Nachteile: braucht relativ viel Fläche, nicht alle Lounge-Möbel sind barrierearm 

Mischen possible: dynamische Effekte

Für kreative Events kann man die Bestuhlungskonzepte auch mischen: Zwischen Sofas, Sesseln und Bartischen entsteht eine spannende Atmosphäre. Wechselnde Raum-Layouts überraschen die Teilnehmenden und fördern ihre Aufmerksamkeit. Und wieso sollen die Teilnehmenden eigentlich nur sitzen? Bewegung hilft, neue Standpunkte aufzunehmen – zum Beispiel bei einem Ortswechsel, der mit Spaziergang verbunden ist, wie beim Symposium Impact Lech

PINA Kongress #5 2025 © knoepflefotografie, Convention Partner Vorarlberg (Webqualität) (100)
Symposium Kindheit, Jugend, Gesellschaft XII
Lernformat Designing.Events 2025
"Alles, was wir als Veranstaltende anbieten und tun, zielt darauf ab, Menschen das Gefühl zu geben, sie gehen in ein Beziehungsfeld. Wir wollen nicht, dass die Menschen Gäste sind, sondern sich als Menschen fühlen."
Bettina Ludwig Kulturanthropologin
Tagung im Festspielhaus Bregenz
Raum Setting bei Vorarlberger Convention Forum 2019 in der Fabrik Klarenbrunn in Bludenz
Lernformat Designing.Events 2025

Klassiker der Veranstaltungsbestuhlung

Reihenbestuhlung

 

  • Vorteil: viele Personen auf wenig Raum, klarer Blick zur Bühne 
  • Nachteil: kaum Austausch, wirkt schnell passiv und frontal 

Parlamentarische Bestuhlung 

 

  • Vorteil: Tische zum Arbeiten, gute Sicht nach vorne 
  • Nachteil: wenig Interaktion, braucht viel Platz 

U-Form Bestuhlung

 

  • Vorteil: Blick zueinander, gut für Austausch
  • Nachteil: nicht jeder Sitzplatz ist gleichwertig

Blockbestuhlung 

 

  • Vorteil: alle auf Augenhöhe, gut für Diskussion und Austausch 
  • Nachteil: nur für kleine Gruppen sinnvoll, Präsentationen schwierig 

Weitere Bestuhlungsvarianten für spezielle Formate wie Opens Space, World Cafe, Fishbowl & Co werden bei den Formaten & Methoden vorgestellt. 

Gemeinsam finden wir die Bestuhlungsvariante, die zu Ihrer Veranstaltung passt.
Lisa Rädler
Lisa Rädler
Projektleitung Convention Partner Vorarlberg
service@convention.cc
Katharina Matt
Katharina Matt
Projektleitung Convention Partner Vorarlberg
service@convention.cc

Ein Beispiel aus der Praxis

Manchmal ist die naheliegendste Lösung nicht die stärkste. Gutes Eventdesign denkt klassische Settings neu, wie das "Zukunfts.Symposium" von Bettina Ludwig zeigt: 

Ein klassischer Veranstaltungssaal mit Bühne. Doch die bleibt vorerst leer. Die Impulsgeber sprechen von einem niedrigen Podest vor der Bühne – auf Augenhöhe mit dem Publikum. "Ich will diese Hierarchieebene nicht reinbekommen, in der die Menschen von oben herab sprechen. Aus meiner Sicht ist jede und jeder Impulsgeberin bzw. Impulsgeber", erklärt Bettina Ludwig im Podcast. "Auf der Bühne wollte ich nur die Musiker haben, die Emotionen erzeugen und ganz oben stehen dürfen. Es hat ganz viel mit der Stimmung gemacht, dass die Musik von oben kam und die Impulse von unten."