Go Hack!

Wie ein Hackathon die Verwaltung neu denken lässt
KIWI-Hackathon

Der erste Schritt ist oft der schwerste – besonders wenn man etwas verändern möchte. Ein Hackathon löst dieses Problem auf seine eigene Art: Die Zeit läuft – und der Fokus auf das Wesentliche kommt wie von selbst.

„Go Hack!“ hallt es durch den Raum. Startschuss für den KIWI-Hackathon: Verwaltung. Neu. Denken. Kurz nach acht Uhr morgens im Alten Hallenbad in Feldkirch. Laptops, Monitore, Flipcharts, Post-its – alles ist bereit, es kann losgehen.

Beim österreichweit ersten Hackathon zum Thema Künstliche Intelligenz, Wissen und Innovation (KIWI) treffen rund 60 Menschen aufeinander, die sonst nicht im selben Raum arbeiten würden: Verwaltungsleute aus Vorarlberg, Liechtenstein und Wien, dazu Technologieexpert:innen und Wissenschaftler:innen, aufgeteilt in 14 Teams. Ihre gemeinsame Frage: Wie wird Verwaltung einfacher, schneller, bürgernäher – ohne Datenschutz und Transparenz aus den Augen zu verlieren? Bis 16 Uhr haben die Teams Zeit, um ihre Lösungen zu präsentieren – die beste Lösung gewinnt.

Der Hackathon im Überblick

  • Eintägige Veranstaltung am 25. März 2026
  • Format: Hackathon mit ca. 60 Teilnehmer:innen und 14 Teams 
  • Location: Altes Hallenbad in Feldkirch
  • Organisation: Stadt Feldkirch, FLGÖ Vorarlberg, Regio Vorderland Feldkirch
KIWI-Hackathon
KIWI-Hackathon
KIWI-Hackathon

Wo echte Probleme auf echte Lösungen treffen

Die Luft riecht nach Konzentration und Gemütlichkeit. Liegestühle in der vorderen Raumhälfte und eine Lounge-Ecke mit KIWI-Sitzpolstern im hinteren Bereich sorgen dafür, dass heute niemand das Gefühl hat, in einem gewöhnlichen Sitzungssaal zu sein. Hackathon bedeutet hier auch Bewegung, Wohlfühlen und Austausch. Coaches mit KI-Expertise bewegen sich zwischen den Tischen, beugen sich immer wieder zu den Teilnehmenden, stellen Fragen, die auch unangenehm werden können, wenn man glaubt, gerade eine Lösung gefunden zu haben: Wer soll das nutzen? Warum? Was, wenn es nicht funktioniert?

Ein Team der Landesverwaltung Vorarlberg arbeitet an einem Event-Bot, um Termine, Sitzungen und die Organisation interner Abläufe effizienter zu gestalten. Nebenan grübelt das Team aus Liechtenstein darüber, wie internes Wissen gebündelt werden kann. Denn oft geht Wissen verloren, wenn Stellen neu besetzt werden. Der Ansatz: ein KI-Tool, das Wissen nicht nur speichert, sondern im richtigen Moment auffindbar macht. Woran so etwas scheitern könnte? Für das Team ist es eindeutig: „An Zeit. Es kommt immer mehr dazu, nichts fällt weg. Und an fehlendem Know-how, das sich nicht per Prompt herbeizaubern lässt.“ Der Hackathon wird das nicht lösen. Aber er macht es greifbar und zwingt dazu, heute – und nicht irgendwann – eine Entscheidung zu treffen.

Ein Tag, der anders tickt

Das ist das Eigentümliche an diesem Format. Im Verwaltungsalltag wird besprochen, abgestimmt, geplant und später vielleicht umgesetzt. Hier läuft es anders. Beim Hackathon wird an einem Tag etwas Handfestes entwickelt. Es gibt sowohl einen Zeitplan als auch die Freiheit, Pausen flexibel einzulegen. Wer gerade im Flow ist, bleibt sitzen. Wer eine Pause braucht, holt sich etwas vom Buffet, geht kurz in die Sonne oder tauscht sich in der Lounge-Ecke aus. Und genau das hilft: Was in kreativen Hochphasen entsteht, wird nicht unterbrochen – was in flaueren Momenten stockt, bekommt Raum zum Durchatmen. Und der begrenzte Zeitrahmen von einem Tag tut das Seine: Er spornt an, sich auf den Kern der Sache zu konzentrieren.

"Ziel jeder Veranstaltung ist es, Aufmerksamkeit, Präsenz und Kreativität über den Tag hinweg zu erhalten."
Gemeinsam kreativ Impulspapier °5

Auch das Team der Regio Vorderland Feldkirch nutzt die Freiheit des Tages. Nach intensiven Gesprächen ein frisches Croissant zwischendurch – und weiter geht die Arbeit an einem Kommunikations- und Übersetzungsassistenten, der helfen soll, Menschen dort zu erreichen, wo klassische Kanäle an Wirkung verlieren.

Den ganzen Vormittag über wird so an den verschiedenen Projekten getüftelt. Jemand lehnt sich zurück, lacht über einen Kommentar vom Nebentisch. Ein anderer zieht sich kurz zurück, Kaffee in der Hand. Und wer eine Pause braucht, gönnt sich ein paar Minuten im Liegestuhl. Nach einer langen Mittagspause in der Sonne geht es am Nachmittag weiter. Und gegen Ende wird die Zeit für viele doch noch knapp. 

KIWI-Hackathon
KIWI-Hackathon
KIWI-Hackathon (c) Flurina Moroder Photography - Convention Partner Vorarlberg (4)

Was auf dem Blatt steht, wenn der Tag endet

Um 16 Uhr präsentieren die 14 Teams ihre Ergebnisse. Was morgens noch auf Flipcharts und Post-its stand, hat jetzt Form angenommen. Die fünfköpfige Expert:innen-Jury entscheidet über die beste Lösung und den besten Pitch. Überraschungen gab es vor allem bei jenen, die bisher weniger Berührung mit KI hatten.

Am Ende überzeugt das Team aus Schruns mit der besten Lösung – dem „Personator“. Ihr Tool erstellt automatisch Dienstverträge und schätzt Gehälter ein – rechtlich durchdacht und datenschutzkonform. Ein Team, das sich selbst nicht als besonders KI-affin bezeichnet, das aber verstanden hat, wo der Schmerz sitzt. Das Team aus Liechtenstein wird für den besten Pitch ausgezeichnet – sehr verständlich präsentiert und zum Weiterdenken einladend.

„Am Ende geht es nicht um KI. Es geht darum, Dinge besser zu machen.“
so die Teilnehmer:innen

Ein Format, das Ideen in Bewegung setzt

Was wäre, wenn andere Organisationen, andere Branchen mit ähnlichem Tatendrang an ihre Themen herangingen? Vielleicht wäre die Antwort öfter als gedacht: ein Hackathon. Ein Format, das nach wenigen Stunden etwas Greifbares hinterlässt – erste Entwürfe, Lösungsansätze, Entscheidungsgrundlagen. Und wenn der Hackathon endet, geht die Arbeit erst so richtig los – mit dem Schwung eines außergewöhnlichen Tages und dem Wichtigsten bereits in der Hand: einem Anfang.  

Und wie geht es nach dem Hackathon weiter?

Alle Teams erhalten die Präsentationen der anderen – als Arbeitsgrundlage. Jede Lösung soll weitergedacht werden können, auch von jenen, die sie nicht entwickelt haben. Viele Projekte brauchen noch Feinschliff, manche eine passende Software-Realisierung. In den kommenden Wochen entscheiden die Teamleiter:innen, welche Lösungen weiterentwickelt und final umgesetzt werden.